Liebesgeschichte Teil 7

Sarah und Will wurden bei einem Kuss überrascht – ausgerechnet von ihrer Mutter!

„Sag mal, bist du nicht ganz bei Trost? Ausgerechnet dieser Will Turner? Wo ist überhaupt Peter? Weiß er, was du hier treibst?“ Sarahs Gedanken waren immer noch bei dem Kuss. Sie spürte noch immer Wills warme Lippen auf den ihren. Sie zitterte leicht, also atmete sie tief durch. Das musste sie jetzt abschütteln. Sie wandte sich an ihre sichtlich entsetzte Mutter: „Mom, ich treibe hier überhaupt nichts. Ich hatte Will zum Essen eingeladen!“ „Ja, das habe ich gesehen,“ sagte ihre Mutter spitz. Sarah wollte nicht darüber reden, nicht mit ihrer Mutter. Ihre Gedanken schweiften zu ihrem Vater. Sollte sie mit ihr über Dad reden? Nein, nicht jetzt. Nicht in dieser Situation! „Wenn du schon mal da bist, möchtest du ein Stück Lasagne?“, fragte Sarah möglichst gelassen. „Warum nicht. Lass mich nur erst meine Sachen ablegen.“ Ihre Mutter wollte sich gerade zum Gehen abwenden, als Sarah fragte: „Was machst du eigentlich hier? Ich meine…“ „Ich habe mir Sorgen gemacht, Sarah!“, sagte ihre Mutter vorwurfsvoll. „Du fährst spontan ins Strandhaus, meldest dich nicht bei mir, nicht bei Peter…“ „Ach, Mom ich brauche einfach etwas Ruhe.“ „Ja, das habe ich gerade gesehen!“ Das war ein Albtraum! Sie war in das Wochenendhaus gefahren, weil sie von Dads Affären mitbekommen hatte und nun verdächtigte ihre Mutter sie selbst, eine Affäre zu haben. Wie schlimm konnte es da noch kommen? Ihre Mutter ließ ihre Handtasche auf einen Stuhl fallen. Sie zog ihren Mantel aus und brachte ihn in die Garderobe. Sarah fröstelte es. Sie schloss die Verandatür. Von Will war nichts mehr zu sehen. Der Mond stand hoch über dem Wasser. Sarah dachte kurz darüber nach, was wohl passiert wäre, wenn ihre Mutter nicht gekommen wäre. Dann holte sie die Lasagne aus dem Ofen und bereitete zwei Teller vor. Ihre Mutter ging zum Küchenschrank, holte sich ein Glas heraus und goss sich von Wills Rotwein einen großen Schluck ein. Ihre Mutter war, wie Sarah, eine hoch gewachsene Frau, jedoch mit dunklen Haar. Sie war immer perfekt gekleidet. Auch jetzt trug sie ein teures, modern geschnittenes Kostüm und hohe Schuhe. Sarah hatte ihre Mutter nur selten in bequemer Kleidung gesehen. „Weißt Du eigentlich Bescheid über Wills Zustand?“, fragte ihre Mutter als sie sich auf den Stuhl setzte, auf dem zuvor Will gesessen hatte. „Was meinst du?“, Sarah hatte keine Ahnung, wovon ihre Mutter sprach. Sie nahm Wills Besteck und die leere Salatschüssel und räumte sie in die Spülmaschine. „Er hat dir nichts erzählt?“ Sarah wurde ungeduldig. „Warum sagst du es mir nicht einfach?“ Ihre Mutter stellte das Weinglas ab: „Er war auf dem besten Weg ein ausgezeichneter Arzt zu werden.“ Jetzt würde sie also von Wills Geheimnis erfahren. „Und?“ „Ich weiß nicht genau, was passiert ist.“ Ihre Mutter drehte das Weinglas vor sich hin und her und schien nachzudenken. „Ich glaube, er war in Afrika bei einem humanitären Einsatz als Arzthelfer oder so und irgendwas ist dort vorgefallen.“ „Was meinst du?“ „Naja, er kam zurück und war krank.“ „Krank?“ Hatte er Malaria oder so etwas?“ Worauf wollte ihre Mutter hinaus? „Nein, nein. Nicht so eine Krankheit!“, sagte ihre Mutter unwirsch. „Du weiß schon. Wie nennt man denn das gleich…wenn jemand ein traumatisches Erlebnis hatte?“ Sarah konnte es kaum glauben: „Er hat so etwas wie eine Belastungsstörung?“ Ihr Mutter nickte: „Ja, genau. Das ist es, eine posttraumatische Belastungsstörung! Er war ein paar Monate in Behandlung in einer Klinik – Christine, seine Mutter, hat mir alles erzählt, und jetzt haust er hier in diesem Strandhaus, wie ein Einsiedler.“ Sarah war entsetzt. Das war Wills Geheimnis? Er litt dort drüben still vor sich hin? War das der Grund, warum er heute aus dem Supermarkt geflüchtet war? Das also war die Traurigkeit, die Einsamkeit, die er ausstrahlte. Sarah stellte die Teller mit der Lasagne auf den Tisch und setzte sich. Sie konnte kaum etwas essen, so fassungslos war sie über das, was ihre Mom erzählt hatte. Wie furchtbar musste das gewesen sein, was er erlebt hatte, um ihn so aus der Bahn zu werfen? Sie spürte eine große Welle des Mitleids durch sich hindurchgleiten. Warum hatte er nichts gesagt? Vielleicht genau aus diesem Grund: er wollte ihr Mitleid nicht!


Auch abends im Bett wurde Sarah die Gedanken an Will nicht los. Sie wagte nicht, sich vorzustellen, was ihm in Afrika passiert war. Aber er hatte sie mit seinem Kuss überrascht. Das war gar nicht schüchtern. Sie spürte wieder diese wundervolle Wärme in ihrem Körper als sie ihn vor sich sah. Hätte sie mit ihm geschlafen? Gleich in der Küche? Auf dem Tisch? Sarah konnte es nicht fassen, dass sie solche Gedanken hatte. Vielleicht hatte sie Will das Gefühl gegeben, dass sie ihn wollte. Vielleicht glaubte Will, dass aus ihnen etwas werden konnte. Das war unmöglich! Er war vielleicht ihr Freund, sie mochte ihn, sehr! Und er war offensichtlich krank, oder nicht? Dieser Gedanke erschreckte sie. Es konnte so oder so nichts aus ihnen werden! Sie war mit Peter zusammen, schon fünf Jahre. Eine unglaublich lange Zeit. Sie hatten viel zusammen erlebt. Sie hatten sich gegenseitig durch Job und Studium gepuscht, nächtelang zusammen gelernt. Peter duldete keine Schwächen, ohne ihn hätte sie es vielleicht niemals durch das Studium geschafft. Alle waren stolz auf sie, aber einen Großteil ihrer Leistungen hatte sie ihm zu verdanken, dem unnachgiebigen Peter, dem starken Peter, der keine Schwächen zeigte und genau wusste, was er wollte, auch von ihr! Will war so anders! Ihr Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken an ihn. Sie wollte ihn so gern noch einmal küssen! Aber das konnte sie Peter nicht antun. Das hatte er einfach nicht verdient. Sie musste diese Sache mit Will beenden, bevor noch mehr passierte als ein Kuss!

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.