Liebesgeschichte Teil 6Sarah hat Will zu sich zum Essen eingeladen. Ob das eine so gute Idee war?

Sarah dachte darüber nach, was sie für Will kochen sollte. Was würde er wohl gern essen? Wahrscheinlich war er ein unkomplizierter Esser. Er würde niemals sagen, wenn ihm etwas nicht schmeckte – nicht wie Peter, der lieber essen bestellte, als selbst zu kochen – das war alles Zeitverschwendung für ihn. Sarah entschloss sich für eine Lasagne. Rotwein hatte sie auch da. Das war perfekt. Sarah machte sich Sorgen, dass die Sache schief ging. Irgendetwas stimmte doch nicht mit ihm. Wenn sie daran dachte, was mit ihm im Laden los gewesen war. Hatte er Angst gehabt? Vor den Jugendlichen? Das schien ihr absurd. Trotzdem freute sie sich auf Wills Gesellschaft. Seine Zurückhaltung war ungewohnt, aber angenehm. Sie wollte ihm nahe sein. Sarah hielt inne, war es richtig, so zu denken? Ihre Gedanken wanderten zu Peter. Was hätte er wohl dazu gesagt? Worauf ließ sie sich da gerade ein?


Sie bereitete die Lasagne vor. Es machte ihr Spaß. Sie sollte öfter kochen. Dann ging sie in ihr Zimmer, stand vor ihrem Schrank und dachte nach, was sie anziehen sollte: ein Kleid? Zu auffällig. Sie wollte Will nicht abschrecken und entschied sich für einen schwarzen Rock mit Bluse. Schick und gleichzeitig bequem, nichts Besonderes. Sie wollte nicht, dass Will glaubte, sie würde ihn anmachen. Tat sie das? Immerhin hatte sie ihn zum Essen eingeladen. „Sarah?“ Das musste Will sein. Er musste über den Strand zum Haus gekommen sein und stand sicher auf der Veranda. Schnell warf sie noch einen Blick in den Spiegel. Sie war zufrieden. Dann lief sie ins Wohnzimmer, um ihn zu begrüßen. Er stand mit Jack auf der Veranda. Er schien geduscht zu haben, sein Haar war noch feucht und er trug ein frisches Hemd. Sarah schluckte als er sie ansah. Er sah einfach gut aus! Er hatte eine Flasche Wein dabei. „Ich wusste nicht… Ich dachte mir…“ stotterte er, als er ihren Blick bemerkte. Sarah wurde auf einmal ganz heiß. War das ein Date? Hatte sie Will den Eindruck vermittelt? Hatte sie selbst den Gedanken gehabt? „Schon gut, Will.“, sagte sie möglichst cool. Jetzt gab es sowieso kein Zurück mehr. Sie zog ihn ins Haus. „Isst du Lasagne?“, frage sie und warf einen Blick in den Ofen. Er nickte. Ein paar Minuten würde die Lasagne noch brauchen. „Kannst du uns den Wein öffnen, Will?“ Sie gab ihm den Weinöffner, dabei berührten sich ihre Finger und es durchfuhr sie wie ein Schlag. ‚Ganz ruhig bleiben, Sarah. Du führst dich auf wie ein verliebter Teenager.‘, sagte sie zu sich. Auch Will wirkte etwas nervös, als er die Weinflasche öffnete. Nur Jack schien die ganze Situation nichts auszumachen. Er lief in der Küche umher und beschnupperte alle Schränke. Dann kam er zu Sarah und schleckte ihr über die Hand, als wollte er sie beruhigen. Eine seltsame Stille breitete sich in der Küche aus. „Möchtest du schon etwas Salat?“, fragte Sarah. „Ja, gern!“ sagte Will und setzte sich an den Küchentisch. Sie servierte ihm den Salat. Als sie sich zu ihm beugte, schnappte sie den Geruch seines Duschbades auf. Sie spürte eine wohl bekannte Hitze in sich aufsteigen. Sie betrachtete sein feuchtes, dichtes Haar und stellte sich vor, wie es wäre mit den Fingern da durchzufahren. Will sah zu ihr auf und sie fürchtete, er könnte ihre Gedanken ganz genau lesen. Sie schluckte bei dem Anblick seiner blauen Augen. So nervös wie heute Abend war sie lange nicht gewesen. Sarah schnappte sich ihren Salat und setzte sich ihm gegenüber. Er goss ihnen beiden Wein ein. Peter hätte eine große Sache draus gemacht, vom Wein gekostet, etwas zum Jahrgang gesagt, aber Will goss ihr einfach ein. Wieder trafen sich ihre Blicke und es war als würden tausend Blitze durch Sarahs Körper fahren. Verdammt, sie war eindeutig in Will verknallt! Solche Gefühle hatte sie schon Jahre nicht mehr gehabt. „Danke für deine Einladung.“, sagte Will. „Gern.“, antwortete sie. Sie aßen schweigend den Salat. Sarah wagte nicht, Will anzusehen, aus Angst, er könnte etwas von ihren Gefühlen bemerken. Sie schimpfte innerlich, sich in so eine Situation gebracht zu haben. Jack bellte, um Aufmerksamkeit zu erhalten. „Oh.“ Sarah fiel etwas ein. „Ich habe gar nichts für Jack!“, rief sie aus. Will lächelte. „Keine Sorge, er hatte schon genug.“ Sie nickte. „Wenn du eine Schüssel hast, mit Wasser…“, sagte er. „Ja natürlich.“ Sarah ließ ihre Gabel fallen und holte eine Schüssel aus dem Schrank, füllte etwas Wasser hinein und stellte sie vor Jack. Der offensichtlich dankbar daraus trank. Sie ging in die Hocke und kraulte Jack hinter den Ohren. Sie spürte Wills Blick auf sich ruhen, wagte aber nicht zu ihm aufzusehen. Sie stand auf und ging noch einmal zum Ofen. Es waren keine fünf Minuten vergangen, entsprechend unverändert war die Lasagne. Als sie die Ofentür wieder schloss und sich umdrehte, stand Will vor ihr. „Ich glaube…, die Lasagne… braucht noch ein paar Minuten.“, sagte sie stockend. Wie konnte sie jetzt nur etwas so Sinnloses sagen? Will antwortete ihr nicht, sondern küsste sie. Ganz unvermittelt spürte sie seine Lippen auf den ihren, warm und weich. Ein kleiner Seufzer entfuhr ihr und sie wusste, dass sie genau das die ganze Zeit gewollt hatte. Sie lehnte sich an ihn und ließ es geschehen. Sie nahm seinen Duft auf und spürte seine Hände in ihren Haaren, an ihrem Nacken. Am liebsten wäre sie in die Wärme seines Körpers hineingekrochen. Ihre Zungen berührten sich sanft. „Sarah! Was machst Du da?!“ Das war wie ein Eimer kalten Wassers über ihren Kopf. Sie fuhren auseinander! Ihre Mutter stand in der Küche. „Mom, was tust du hier?“ „Zuerst beantwortest du mir meine Frage, junge Dame und Sie, Mr. Turner, der sind sie doch, oder nicht?“ Ihr unbarmherziger Blick viel auf Will. „Sie machen sich jetzt vielleicht besser auf den Weg!“ Will sah Sarah an. Er schien noch außer Atem. Dann blickte er zu ihrer Mutter. „Komm Jack.“ Überstürzt verließ er über die Veranda das Haus.

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.