Liebesgeschichte Teil 2Heute lest Ihr Teil 2 meiner Liebesgeschichte. Sarah ist gerade im Strandhaus eingetroffen und hat am Strand eine Begegnung mit einem ziemlich frechen Golden Retriever…

„Hej, Jack! Jack! Lass das!“ Irgendjemand versuchte offensichtlich, den Hund zur Raison zu bringen. Sarah kam endlich zu sich und schob Jack einfach zur Seite. Er sah sie mit geneigtem Kopf und hängender Zunge an. Nach der ersten Überraschung fand Sarah Jacks Überfall ganz lustig. „Was bist du nur für einer, Jack?“, lachte Sarah und kraulte ihm das Fell. Er legte ihr treuherzig eine Pfote auf den Schoß. Da kam Jacks Besitzer sichtlich außer Atem endlich vor Sarah zum Stehen, schnappte sich den Retriever am Halsband und zog ihn zu sicher herüber. „Es tut mir so leid. Ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist.“, entschuldigte sich Jacks Herrchen, sichtlich peinlich berührt. Sarah kannte ihn irgendwo her. Er war in ihrem Alter, oder vielleicht Peters Alter. Ein Nachbar? „Schon gut. Sie müssen sich nicht entschuldigen.“, sagte Sarah lachend. „Sie könnten Jack nur etwas besser erziehen.“ Sie stand auf und klopfte sich den Sand von den Hosen. „Hi, ich bin Sarah.“, sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen. „Sarah Graham, ich weiß.“, sagte er und nahm ihre Hand. Er sah sie an: „Du erkennst mich wohl nicht mehr.“ Seine Augen waren blau, sein Mund, die Locken… „Jetzt erinnere ich mich. Ähm, wie war noch gleich dein Name? Ihr wohnt nebenan, nicht wahr?“ Sarah überlegte, dann fiel es ihr ein: „Die Turners!“ Er nickte: „Ja, ich bin’s Will, Will Turner.“ Wieder schüttelten sie sich die Hand. Es war Sarah peinlich, das sie ihn nicht erkannt hatte, aber er sah auch sehr verändert aus, mit den Bartstoppeln im Gesicht „Hi, Will, tut mir leid, dass ich dich nicht…“ „Nein, ist schon ok,“ wehrte er ab. „Ist ’ne Weile her. Wir waren Kinder, oder nicht?“ Er hatte dieses schüchterne Lächeln. Daran erinnerte sie sich, dass er schüchtern war. „Ja, das waren wir.“, sagte sie. Es wurde langsam dunkel und Sarah begann zu frieren. Sie zog die Schultern hoch und schlang die Arme um sich: „Ich werde dann mal wieder ins Haus gehen.“ „Ja, klar!“ Er nickte und strich sich die Locken aus dem Gesicht. Jack schaute zwischen ihnen hin und her. „Noch mal, tut mir leid wegen Jack.“ Will war es sichtlich unangenehm. „Kein Problem, Will.“ Er winkte ihr und ging dann mit Jack fort. Sarah erinnerte sich, dass sie Will süß fand, aber zu schüchtern. Sie hatten sich kaum gesehen, damals als sie Kinder waren und hier die Ferien verbracht hatten. Jungs und Mädchen in dem Alter haben verschiedene Dinge im Kopf. Sarah hatte die meiste Zeit hier im Strandhaus mit Lesen verbracht, in ihrem Zimmer, auf der Veranda, am Strand, im Garten – immer hatte sie ein Buch dabei. „Mist!“ Ihr fiel ein, dass sie genau das vergessen hatte einzupacken. Wieder fröstelte es Sarah. Sie musste schnell ins Haus, den Kamin anschmeißen und dann etwas Leckeres kochen. Das war ihr Plan. So würde sie es tun.


‚Wie war das noch mal mit den Turners?‘, überlegte Sarah als sie schließlich auf der Couch im Wohnzimmer saß, die Füße dem Feuer im Kamin entgegenstreckte und genüsslich ihre Schüssel Reis mit asiatischem Gemüse verzehrte. Die Mutter hieß Christine und Andrew der Vater. Genau, sie waren Ärzte, soweit sie sich erinnerte. Mitglieder der High-Society, wie auch ihre Eltern. Sie waren öfter hierher ins Strandhaus gekommen, zu Cocktailempfängen und Dinnerpartys. Oberflächliche, aber gute Bekannte ihrer Eltern. Die beiden Söhne: Will, den Jüngeren hatte sie heute getroffen, und Alexander war der ältere – war er nicht auch Anwalt? Ja, klar! Alexander Turner, er hatte erfolgreich kandidiert und sollte bald zum Staatsanwalt berufen werden! Sarah bekam den neuesten Klatsch direkt von Peter erzählt. Ihr Dad stand ihm in nichts nach. Sie musste Peter danach fragen. Das musste ihr Strandnachbar Alexander sein. Was Will wohl beruflich machte? Schließlich war er mitten in der Woche hier im Strandhaus seiner Familie.

Sie zuckte mit den Schultern. Sein Hund, Jack, war jedenfalls goldig. Ob sie Peter anrufen und ihn gleich nach Alexander fragen sollte? Peter war bestimmt beschäftigt. Er hatte sie ins Strandhaus fahren lassen. Er hatte sogar verstanden, warum. „Denk in Ruhe über alles nach. Wir können unsere Reise nach Europa auch verkürzen, falls dir das lieber ist – aber bedenke, wenn wir erst beide voll im Beruf stecken, werden wir nicht mehr viel Zeit füreinander haben.“ Sarah wusste, dass Peter in Europa wichtige Termine hatte. Eine reine Urlaubsreise würde das sowieso nicht werden, nicht für Peter. Arbeit war sein Leben. Er steuerte zielstrebig auf eine Karriere als Politiker zu und Sarah war die perfekte Frau an seiner Seite: intelligent, gutaussehend… Die perfekte Mutter für seine Kinder. So sagte er ihr das immer wieder. Er würde ihr einen Heiratsantrag machen, vielleicht in Paris? Nein, das wäre zu vorhersehbar, vielleicht in Madrid oder Rom bei einem Dinner im Kerzenschein. Wollte sie Peter überhaupt heiraten? Sarah nippte an ihrem Weißwein und starrte in die Flammen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, ins Strandhaus zu fahren. Hier hatte sie einfach zu viel Zeit zum Nachdenken. Die letzten Jahre waren wie ein Rausch für Sarah gewesen. Sie hatte nichts getan, außer zu lernen, zu arbeiten und zu wichtigen geschäftlichen Dinnerpartys mit Peter zu gehen. Wirkliche Freunde hatte sie nicht. Peter war der Einzige, mit dem sie reden konnte, aber sie war nicht sicher, ob er sie immer verstand. Jetzt, nach ihrem Abschluss, war auf einmal alles zum Stillstand gekommen und Sarah fürchtete sich vor dem nächsten Schritt. Peter drängte sie nicht, aber für ihn, wie für ihre Eltern war völlig klar, wie es weiterging mit ihr, mit ihm, mit ihrer Karriere. Und ihr Vater? Ihre Mom? War das die Zukunft, die sie erwartete? Die betrogene Ehefrau eines erfolgreichen Mannes?

Sarah stellte die Schüssel und das Weinglas auf den Tisch neben der Couch. Sie nahm sich eine Decke und rollte sich ein. Sie schloss die Augen und sah das Flackern der Flammen hinter ihren geschlossenen Lidern. Es erinnerte sie an die Flammen im Auto. Es hatte nicht viel gefehlt und auch sie wäre damals gestorben: Abigail und Sarah. Was dann wohl aus ihren Eltern geworden wäre? Abigail war eine gute Schwester, fünf Jahre älter als Sarah. Sie hatten sich selten gestritten, eigentlich nur, wenn Sarah Abigails Freunde kennenlernen wollte. Abigail wollte das nicht. Ob Alexander auch zu Abigails Freunden gehört hatte? Oder Will? Er musste in etwa in Abigails Alter sein. Sarah konnte sich nicht mehr erinnern, ob einer von ihnen Abigail je besucht hatte. Der Unfall war nicht weit von hier geschehen. Auf dem Weg zum Strandhaus war sie an der Eiche, an der ihr Auto zerschellt war, vorbei gefahren. Auch der Baum hatte Spuren davon getragen… Sarah schüttelte sich. Sie wollte nicht daran denken. Sie setzte sich auf und trank einen Schluck Wein. Dann ging sie ins Bad und putzte sich die Zähne. Es war noch nicht sehr spät, aber sie legte sich wieder auf die Couch vor dem Kamin, drehte sich zur Seite und schlief ein.

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.