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Servus liebe Leser, heute verrate ich Euch, warum ich Sport für die ideale Energiequelle halte. Ich habe schon immer viel Sport getrieben, war schon Turner, Skispringer, Leichtathlet und Triathlet. Alles auf gutem, aber nicht herausragendem Niveau. Nun bin ich 35 und mische auf einmal bei den Deutschen Meisterschaften und anderen Wettkämpfen vorn mit. Erst letztes Wochenende bin ich dreifacher sächsischer Landesmeister geworden: im Weitsprung, über 200m und 400m. Mit meiner 400m-Zeit bin ich in Deutschland gerade auf Platz zwei der Bestenliste in meiner Altersklasse, mit dem Weitsprungergebnis immerhin auf Platz vier. Heute will ich Euch erzählen, wie es dazu kam, woher ich die Zeit und die Energie für all das Training nehme und wie mir der Sport hilft, den Alltag mit anstrengendem Job und drei Kindern zu bewältigen.

Goodbye Marathon, mit neuen Zielen greife ich nach den Sternen

Vor etwa 3 Jahren hatte ich keine Lust mehr auf Halbmarathons und Marathons und erklärte den Versuch, meinen eher kompakten Körper auf Ausdauer umzuprogrammieren, endgültig für gescheitert. Mit 3:13 h im Marathon und 1:26 h auf der halben Distanz erntete ich zwar hier und da ein Schulterklopfen, aber selbst beim provinziellsten Dorflauf hat es damit nie fürs Treppchen gereicht. Es gab immer irgendwelche Gazellenmenschen, zwei Köpfe größer und trotzdem 10 kg leichter, die leichtfüßig an mir vorbeiflogen. Frustrierend! Ich wollte mehr. Ich wollte mal wirklich der Beste sein! Ich begann darüber nachzudenken, in welcher Sportart mein Körper die besten Voraussetzungen mitbringt und erinnerte mich an ein gewisses Talent im Sprint/Mittelstreckenlauf. In meiner Jugend trainierte ich 200-, 400- und 800 m-Lauf und war dort bei moderatem Trainingsfleiß immer ganz gut dabei.

Überrascht fand ich heraus, dass ich mit meinen damals 33 Jahren in der Leichtathletik offiziell zu den Senioren gehöre und dass es genau für diese Senioren nationale und internationale Meisterschaften gibt. Anhand der Ergebnistabellen konnte ich sehen, dass ich mit meinen Leistungen aus alten Jugendzeiten durchaus vorne mitmischen könnte – national und international! Aber war es möglich, sich als dreifacher Familienvater mit einem fordernden Job als Unternehmer nochmal auf so ein Leistungsniveau zu hieven? Die Challenge war geboren! Folgende konkrete Ziele wollte ich erreichen: Unter die besten drei Deutschen in meiner Altersklasse zu kommen und bei den (Senioren-)Europa- oder sogar Weltmeisterschaften teilzunehmen und dort wenigstens im Mittelfeld zu landen. Als kleinere, gut erreichbare Zwischenziele sollten die sächsischen Landesmeisterschaften dienen. Hier wollte ich nicht Zweiter oder Dritter werden, sondern der Beste sein. Sina unterstützte den Plan voll und ganz. Sie war der Meinung, dass ich den Fleischessern zeigen soll, wie jugendlich spritzig so ein vegan ernährter Leib sein kann. Wie oft hört oder liest man, dass man mit dem ganzen Pflanzenfraß vielleicht noch ein bisschen durch die Gegend joggen kann, aber Kraftdisziplinen: da brauchst Du schon tierisches Eiweiß.

Weg voller Rückschläge – Bin ich doch zu alt?

Ich kaufte mir das Buch Rahmentrainingsplan für das Aufbautraining, Sprint (Edition Leichtathletik) und fing an, den darin enthaltenen Trainingsplan abzuarbeiten. Von Anfang an hatte ich eine gewisse Sorge, dass mein in die Jahre gekommener, auf Marathon getrimmter Körper den intensiven Belastungen nicht standhalten würde. Und genauso kam es auch: Innerhalb von wenigen Wochen hatte ich so ziemlich alle typischen Sprinterverletzungen auf einmal: Entzündete Achilles- und Patellasehnen, Knochenhautentzündung und Rücken. Als ungeduldiger Mensch hatte ich gleich Vollgas gegeben und mich an den Trainingsplänen von gut trainierten Leistungssportlern orientiert. Vor allem Kniebeuge mit fetten Gewichten stellten sich im Nachhinein als ungeeignet für mich heraus. Ich war todunglücklich! Trotzdem wollte ich nicht gleich wieder aufgeben. Ich besorgte mir Trainingspläne des bekannten amerikanischen Trainers Clyde Hart. Clyde trainiert seine Jungs mit geringeren Intensitäten, macht weniger Sprünge und Kurzsprints. Dafür sind die Umfänge etwas größer. Damit kam ich viel besser zurecht, die Verletzungen klangen ab. Trotzdem ging es mit drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche mit den Leistungen nur sehr langsam bergauf. Ich suchte verzweifelt nach der Spritzigkeit vergangener Tage und gewann den Eindruck, dass diese einfach durch das Alter für immer verlorengegangen war. Oder lag es doch auch an der veganen Ernährung? Egal, ich machte einfach weiter und spulte Woche für Woche mein Programm ab.

18 Monate später gewann ich den ersten Landesmeistertitel. Vermutlich habe ich mich darüber genauso gefreut, wie ein Profisportler über einen WM-Sieg. Gleichzeitig qualifizierte ich mich anhand meiner Laufzeit zum erstem Mal in meinem Leben für Deutsche Meisterschaften. 12 weitere Monate später wurde ich bei genau diesen Meisterschaften siebenter, war aber immer noch weit weg von meinem einstigen Leistungsniveau. Diese Zwischenerfolge waren aber so motivierend, dass ich kontinuierlich weitermachte. Heute, nochmal 6 Monate später, bin ich fast genauso schnell wie in alten Zeiten. Im Weitsprung habe ich es schon geschafft, meine frühere Bestleistung zu pulverisieren.

Energiequelle Leistungssport

Traum wird wahr: Mein erster Sprung über die 6 m-Marke (Foto: Mike Kaczmareck)

Das wichtigste: ich bin vollkommen verletzungsfrei! 6 kg Muskelmasse habe ich zugenommen, was vor allem Sina sehr freut. Mein Körper hat sich an die neue Belastung gewöhnt, so dass ich viel höhere Intensitäten trainieren kann. Meine Challenge läuft nun schon seit drei Jahren und ist noch nicht vorbei. Aber das nächste Ziel – ein Podestplatz bei den Deutschen Meisterschaften – ist in greifbarer Nähe. Vielleicht klappt es schon diesen Sommer.

Mein Geheimnis – Sport als Energiequelle

Die Zeit, die für das ganze Training draufgeht (jeden zweiten Tag 90 Minuten), hole ich locker wieder rein. Nach einem anstrengenden Arbeitstag bin ich genau wie die meisten anderen auch nur noch Brei. In dem Moment, wo ich mich überwinde, mich zum Training zu schleppen, geht es aufwärts: Nach den 90 Minuten bin ich im Kopf wieder absolut fit und die Ideen sprudeln. Die körperliche Anstrengung hat definitiv einen viel größeren Erholungseffekt als Schlaf! Wer aufgrund geistiger Belastungen meint, er kann sich allein durch 10 Stunden Nachtschlaf wieder fit machen, ist meiner Meinung nach voll auf dem Holzweg. Gehirn durchblasen durch irgendeine intensive Anstrengung (egal welche Sportart) und moderat schlafen (mir reichen 6 Stunden) – das ist mein Rezept, zu jeder Zeit voll auf der Höhe zu sein. Belastungen mit hohen Intensitäten, bei denen der Puls auch mal durch die Decke geht, bringen dabei einen größeren mentalen Erholungseffekt, als lange Ausdauereinheiten. Ihr müsst einfach so mit der Trainingseinheit beschäftigt sein, dass Ihr gar keine Chance habt, an Eure Alltagsprobleme zu denken. In der Situation, wo Eure ganze Konzentration dem Moment gilt, hat Eure Trainingseinheit einen meditativen Charakter. Und genau das ist es, was ihr nach einem langen Arbeitstag braucht! Ich möchte damit nicht sagen, dass Ausdauereinheiten nichts bringen. Auch diese sind natürlich besser als die Couch. Trotzdem, ich habe beides ausprobiert: Intensive Einheiten werden Euch langfristig mehr Power geben. Sie sind meine ideale Energiequelle.

Die einzige Herausforderung bei dieser Strategie ist, sich immer wieder aufs Neue aufzuraffen, der magischen Anziehungskraft der Couch zu entrinnen, auch wenn es draußen stürmt und schneit und auch wenn die Nacht schon angebrochen ist. Nur selten schafft man es mit Job und Kindern, vor 21 Uhr bereit zu sein für eigene Hobbys. Und dann ist es immer verlockender, sich einfach gemütlich mit einem Bier oder einem Glas Wein hinzusetzen und die Aktivität auf den nächsten Tag zu verschieben. In diesem Moment wird nicht nur Euer Bauch anfangen zu wachsen. Ihr nehmt auch Eure Trägheit mit in den nächsten Tag. Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf, der Euch jeden Tag ein bisschen mehr Energie entzieht. Ihr fangt an, alt zu werden.

Gebt mir noch ein, höchstens zwei Jahre und ich werde als fast 40-jähriger deutlich fitter sein als mit 20. Trotzdem und gerade deswegen habe ich genügend Energie für Job und Familie. Ist es nicht genial, dass sowas geht? Rafft Euch auf und seid aktiv! Ihr werdet Euch wundern, welche Energie in Euch steckt.

Eine weitere Energiequelle für mich ist übrigens auch das Feedback anderer Menschen. Deshalb freue ich mich riesig über jeden Kommentar von Euch (und wehe ihr meckert ;-)!

Bis bald,

Euer Ole

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Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.