Fotos wegschmeißen?Es gibt da diese eine Kiste mit Fotos und ich denke darüber nach, sie so wie sie ist, einfach in den Müll zu hauen. Was sich in der Kiste befindet? Ein Haufen Fotos aus meiner Zeit als Abiturientin und später als Studentin. Ich frage mich, warum ich diese Fotos aufheben sollte?

Für mich sind diese Fotos wertlos

Ich muss sie mir nicht mehr ansehen. Ich habe sie mir schon jahrelang nicht mehr angesehen. Ich bin heute nicht mehr der gleiche Mensch, der ich damals war und ich schwelge nicht gern in der Vergangenheit, vor allem, weil mir die Gegenwart besser gefällt.

Was habe ich denn damals schon Tolles getan? Vor allem als Studentin habe ich gelernt und naja, eben „Party gemacht“ – mehr war da nicht! Mehr ist auch nicht auf den Fotos zu sehen. Das ist nichts, was ich meinen Kindern zeigen könnte, wovon sie irgendwie profitieren werden.

Die einzigen Bilder, die meinen Kindern gefallen könnten, sind die von mir als Sängerin in diversen Bands. Davon brauche ich aber auch nicht 1.000 Aufnahmen! Es reichen doch ein paar Schnappschüsse.

Warum fällt es mir so schwer, Fotos einfach mal zu verbrennen? Heute halten wir so viele Dinge (digital) fest. Schon in diesen Worten steckt das, was ich nicht mehr will: etwas FESTHALTEN. Ich will ja loslassen lernen! Nichts oder kaum etwas von diesen Fotos werden wir wirklich brauchen können. Unsere Kinder wird dieser ganze Mist überhaupt nicht interessieren. Oder wie oft seht Ihr Euch Fotos von Euren Eltern an? Klar, eine gewisse Neugier ist da. Wie haben die damals gelebt? Wie sah ich selbst als Baby aus? Wie sah meine Uroma aus? Aber eins ist doch auch klar – diese Bilder zeigen nicht die Realität, können sie ja gar nicht. Sie zeigen nur eine winzige Sekunde – meist auch noch gestellt.

Wie viel brauchen wir davon wirklich? Wie viel davon braucht unsere Nachwelt? Ich werde aus meiner Kiste wohl nur zwei, drei Fotos herausnehmen. Der Rest landet im Müll.

Aber was ist mit den Kinderfotos?

Was ich momentan nicht wegwerfen könnte, sind Fotos meiner Kinder! Im Grunde aber hätte ich gern diese Stärke – warum? Weil diese Kinder, wie sie auf dem Foto sind, nicht mehr da sind – wer Kinder hat, weiß, wie schnell sie sich entwickeln, sich verändern – heute habe ich drei ganz andere Kinder am Küchentisch sitzen als noch vor einem Jahr.

Fotos halten uns nur in der Vergangenheit. Sie beschweren uns mit Erinnerungen, die wir aber, wenn wir im Moment leben wollen, nicht mehr brauchen. Nehmen wir an, meine Kinder sind irgendwann ausgezogen. Was dann? Sollte ich dann über den Fotoalben hängen und der Vergangenheit hinterher trauern, als ich noch kleine, niedliche Kinder hatte? Meine Kinder wird das dann nicht mehr interessieren. Sie werden kein Interesse an Millionen Urlaubsfotos, Nackedeifotos oder Ähnlichem haben. Sie werden ihr eigenes Leben leben. Und das werde ich dann auch tun (müssen) – wieder mein eigenes Leben leben.

Mir sind Fotos von mir mittlerweile total unwichtig geworden: es gibt auch kaum aktuelle Fotos, die mich zeigen. Wir fotografieren ja nur noch die Kinder! Sie sind die Stars in unserem Leben und auch viel niedlicher als die Erwachsenen. Das fällt mir immer auf, wenn ich für den Förderverein oder Ähnliches ein Foto von mir, möglichst mit den Kindern brauche und ich dann in hunderten Fotos der vergangenen Monate kein einziges Bild finde, auf dem ich drauf bin. Als Jugendliche war ich selbst der Star meiner Fotos, als Mutter trete ich in den Hintergrund und werde praktisch unsichtbar. Es stört mich überhaupt nicht. Ich lebe jetzt viel bewusster und nicht für Fotos.

Das Problem: Ich habe eine recht egoistische Sichtweise.

Meine Kinder können ja jetzt noch nicht entscheiden, ob sie an Fotos von meiner Kindheit und Jugend interessiert sind. Oder wie wir mit ihren eigenen Fotos verfahren sollen. Meine Mittlere (5 Jahre alt) beispielsweise liebt ihr Babyalbum – sie lässt es sich immer mal wieder geben und freut sich dann total über ihre Babyfotos. Ich glaube, es ist für sie ganz toll, dass sie dieses eine Album hat, in dem sie der Star ist. Das würde ich ihr niemals wegnehmen wollen!

Der Mittelweg ist wahrscheinlich der Beste: ich sollte mich für ein paar Schnappschüsse aus den einzelnen Lebensetappen entscheiden. Wir schenken den Omas und Opas zum Beispiel jedes Jahr einen Kalender mit Fotos ihrer Enkel. Das sind die zwölf besten Fotos eines Jahres! Zwölf Fotos pro Jahr – in achtzehn Jahren sind das schon 216 Fotos! Und das für drei Kinder! Müsste doch ausreichen, oder?!

Ein wunderbares Geschenk

Eine Familienfreundin mit drei schon erwachsenen Söhnen, machte ihren Kindern letztens ein Geschenk: sie hat jedem Sohn ein eigenes Fotoalbum erstellt. Also ein richtiges Fotoalbum, in dem die Fotos noch selbst eingeklebt und handschriftliche Kommentare dazu geschrieben wurden, mit der Familiengeschichte und dann natürlich den Fotos aus der Kindheit und Jugend des jeweiligen Sohnes. Und wie fett diese Alben am Ende waren! Das ist schon wirklich ein richtig gutes Geschenk, etwas, dass man sicherlich nachfolgenden Generationen weitergeben kann, denn ich bin trotz aller Abneigung gegen Fotos überzeugt, dass uns die Geschichten unserer Vorfahren prägen oder zumindest einen großen Wert für unsere eigene, persönliche Entwicklung haben. Die wirklichen Geschichten gehen aber verloren, wenn wir jeden Sch… knipsen und aufheben!

Ich könnte mir gut vorstellen, solche Fotoalben verbunden mit Anekdoten und Geschichten für den 18. Geburtstag meiner Kinder vorzubereiten (ist natürlich noch ewig hin!) Dafür lohnt es sich wohl, wenigstens ein paar schöne Schnappschüsse aus jedem Jahr aufzuheben, auch von mir 🙂

Wie geht Ihr mit der Fotoschwemme um? Sortiert Ihr regelmäßig aus? Könnt Ihr Fotos wegschmeißen oder könnt Ihr nicht anders, als alles aufzuheben? Wie fühlt Ihr Euch, wenn Ihr alte Fotos betrachtet?

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Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.