Medienkonsum-AuszeitEine Woche Medienkosum-Auszeit liegt hinter mir. Wie ist es mir ergangen? Die erste Panik kam auf, als ich am Montag erschöpft nach einem Elternabend in der Kita nach Hause kam. Die Kinder waren im Bett zusammen mit ihrem Papa und ich saß allein im stillen Wohnzimmer. Bestimmt zum fünften Mal an diesem Tag nahm ich die Gitarre in die Hand und klimperte etwas lustlos darauf herum. Dann beschloss ich, mir einen Tee zu kochen, tat das auch und dann? Normalerweise hätte ich bestimmt das Internet genutzt, um mich in ferne Welten zu klicken, aber jetzt blieb mir einfach nichts anderes übrig, als in der Stille mal mit mir allein zu sein. (Was man sonst an solch einem Abend machen könnte: hier ein paar Ideen).

Es ist so unglaublich, wie sich auf einmal die Zeit dehnt. Wie viel mehr Zeit ich auf einmal habe! Alles ist total entschleunigt! Ich bin plötzlich irgendwie gezwungen, mich auf mich selbst zu konzentrieren – keine Weltprobleme, Veganerprobleme, Flüchtlingsprobleme, in die ich mich flüchten könnte, um „abzuschalten“ – nur Stille. Und diese Stille kann schön aber auch erschreckend sein: es gibt doch nichts Schlimmeres als Langeweile, oder? Aber das ist natürlich völliger Quatsch. Die Leere, die durch das Wegfallen von Internet, TV und Co. entsteht, füllen wir ganz von selbst – auf einmal fließen die Ideen und ich frage mich, warum ich nicht schon früher drauf gekommen bin.

Ich mache mir natürlich auch ein wenig Gedanken, ob ich irgendwas Wichtiges verpasse in der Netzwelt – schließlich bin ich Bloggerin und brauche Input für meine Arbeit. Aber mal ehrlich: der Input aus den Medien ist relativ gering, gemessen an der Zeit, die man damit zubringt. Ich suche ja meist nicht gezielt nach Informationen, sondern scrolle stundenlang durch meine Facebook-Timeline, verhaspele mich in ewigen und irgendwie sinnlosen Diskussionen in den verschiedensten Facebook-Gruppen oder starte einen Youtube-Marathon, wo ich anderen Leuten beim Leben zusehe, während ich mich selbst nicht vom Bildschirm weg bewege. Input genug sollte doch wohl mein eigenes Leben bieten, oder nicht?

Eigentlich will ich an meinem nächsten Roman weiterschreiben und das mache ich jetzt auch! Das ist eine meiner liebsten Tätigkeiten, mir Geschichten ausdenken, aber das Aufschreiben kostet dann doch immer wieder Überwindung – ist ja auch Arbeit. Dann ist es gerade gut, wenn ich mich nicht anders ablenken kann. Damit zeigt sich ein weiterer großer Vorteil der Medienkonsum-Auszeit: Es hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden. 🙂

Was ich auch schon bemerkt habe, ich mache wieder viel mehr Musik – ich kann plötzlich all die Dinge tun, von denen ich glaubte, dafür gar keine Zeit mehr zu haben, angeblich wegen der Kinder. Jetzt ist die Zeit dafür auf einmal wieder da: ich habe in der letzten Woche schon ein paar Gerhard-Schöne-Lieder einstudiert und meine Kinder sind begeistert dabei, wenn ich die Gitarre raushole.

Überhaupt haben meine Kinder wirklich etwas davon, dass ich die Medienkonsum-Auszeit mache: jetzt stört dieses blöde piepsende Handy endlich nicht mehr unsere gemeinsame Zeit. Ich kann mich viel besser auf die Kinder konzentrieren. Es kommt gleich mehr Ruhe in unseren hektischen Alltag – zum Beispiel am Morgen beim Frühstück. Sonst habe ich immer schon mal auf mein Handy geschielt, was denn über Nacht so los war (bescheuert, ich weiß!). Das hat mich abgelenkt, ich war gereizt, wenn ich wegen der Kinder, die aktuellen Mitteilungen nicht zu Ende lesen konnte, und jetzt setze ich mich ganz entspannt mit zu den Kindern an den Tisch und kann mich ihnen voll und ganz widmen. Das ist doch wohl viel besser!

Ganz ehrlich, ich denke schon darüber nach, wie ich diese Medienkonsum-Auszeit auch nach dem November aufrecht erhalten kann. Ganz auf das Internet verzichten möchte ich jedoch nicht – ich bin ja Blogger und Youtuber – und ich vermisse jetzt schon den Kontakt zu Euch allen da draußen 🙂 Ich bekomme gar nicht mit, was da so gerade läuft in der Community! Das vermisse ich natürlich sehr! Zu einer aktiven Arbeit online gehört nun mal auch, nicht nur zu produzieren, sondern sich auch zu beteiligen, zu kommentieren, Ideen auszutauschen und sich inspirieren zu lassen, von all den tollen Menschen.

Offensichtlich müssen irgendwie ganz klare Regeln für mich her! Wie die genau aussehen könnten, darüber werde ich mir in den nächsten Tagen Gedanken machen – ich habe ja Zeit 🙂

Das hat sich also schon nach einer Woche Medienkonsum-Auszeit für mich geändert:

  1. Ich habe mehr Zeit.
  2. Ich fühle mich weniger gestresst.
  3. Meine Kinder sind glücklicher (weil ich Ihnen die volle Aufmerksamkeit schenke) und damit ist das Familienleben merklich entspannter.
  4. Ich habe alte Hobbies von mir wieder zum Leben erweckt (Musik, Geschichten schreiben).
  5. Ich kann mich besser konzentrieren (mein Handy ist leise, mir spuken nicht irgendwelche Facebook-Diskussionen im Hinterkopf rum).
  6. Ich bin kreativer und habe einen größeren Output, zum Beispiel an Blog-Artikeln 🙂

Scheint, als wäre so eine Medienkonsum-Auszeit wirklich lohnenswert! Was sagt Ihr dazu? Habt Ihr die Medien im Griff oder die Medien Euch? Könntet auch Ihr eine Auszeit gebrauchen? Was hält Euch davon ab?

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Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.