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Eigentlich wollte ich einen Blogpost darüber schreiben, wie jeder Einzelne in Deutschland Flüchtlingen helfen kann, mit seinen ganz eigenen Mitteln. (Der kommt noch.)

Dann habe ich heute wiederholt auf Facebook das Foto eines toten, am Ufer des Mittelmeeres angeschwemmten Kindes gesehen. Abgesehen davon, dass mit solchen Bildern die Persönlichkeitsrechte des Kindes und der Familie verletzt werden, rütteln diese Bilder natürlich sehr auf und machen noch einmal deutlich, was wirklich für eine Katastrophe auf dem Mittelmeer abläuft. Und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie wir und unsere Regierung so etwas zulassen können!

Ich stehe unseren Politikern eher skeptisch gegenüber und bin mir oft nicht sicher, wer tatsächlich das Sagen hat in einer Demokratie – der Bürger oder die Lobbyisten – aber heute möchte ich einmal Sigmar Gabriel applaudieren, der genau das ausgesprochen hat, was ich auch denke: hier.

Warum holen wir die Flüchtlinge nicht einfach mit Fähren nach Europa? Sie haben ein Recht darauf, hier Asyl zu beantragen. Warum müssen sie also ihr Leben und das Leben ihrer Kinder riskieren und skrupellosen Schlepperbanden Geld in den Rachen werfen, um nach Europa zu gelangen?

Wie kann es sein, dass Deutschland mit dem Export von Waffen Milliarden verdient – Waffen, mit denen die Kriege geführt werden, die diese Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen – und wir dann kaum Geld für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten zur Verfügung haben?

In den Kommentaren unter dem Artikel zu Gabriels Vorschlag mit den Fähren, steht dann gleich wieder sowas wie: „Ihr werdet sehen, wie viele Leute dann auf einmal syrische Pässe haben!“ Und ich möchte darauf antworten: Na und?!

Selbst Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika sollten hier willkommen sein. Warum? Weil wir ein Land sind, das junge Leute braucht! Wir sind ein Land im Geburtenrückstand. Wir brauchen Fachkräfte und Renteneinzahler, also sollten wir in die jungen Flüchtlinge investieren! Wir sollten Ihnen die Möglichkeit geben, unsere Sprache zu lernen, und sich weiterzubilden! Denkt doch einmal darüber nach: diese jungen Männer haben furchtbare Strapazen und Gefahren auf sich genommen. Sie haben ihr Leben riskiert, um hierher zu kommen! Diejenigen, die dieses Land erreichen, haben einige unglaubliche Fähigkeiten: sie sind zäh, hoffnungsvoll und geben nicht so schnell auf! Wenn wir sie willkommen heißen und mit offenen Armen empfangen, werden sie dankbar sein und uns so viel zurückgeben können! Wir sollten nicht so dumm sein und dieses Geschenk verschwenden!

Ich weiß, das kostet alles Kraft und Geld! Aber dieses Geld ist doch eine Investition in die Zukunft. Wir brauchen Ausländer, die arbeiten, Geld verdienen, es ausgeben und damit Steuern und in unser Finanzsystem einzahlen und unsere Renten absichern! Wieso sehen das so viele Leute nicht? Deutschland könnte ein Vorreiter auf dem Gebiet der Flüchtlingspolitik sein und zeigen, wie sehr ein Land von der Aufnahme von Flüchtlingen profitieren kann.

Ja, ich weiß, ich bin keine Expertin in der Flüchtlings-Thematik und ich mag naiv sein, was die Anstrengungen betrifft, die das alles erfordert, aber eins weiß ich genau: ich bin ein Mensch und all diese Flüchtlinge, egal woher sie kommen, sind auch Menschen! Sie sind meine Brüder und Schwestern, meine Eltern, meine Kinder! Ich bin ein Mensch, der Menschlichkeit fordert. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein!

Hier findest Du meinen Artikel darüber, wie Du Flüchtlingen in Deutschland am besten und unkompliziert helfen kannst.

PS: Und wer mich wegen meines Artikel einen Gutmenschen schimpfen möchte, darf das sehr gern tun 😉

„Wenn Dich jemand als Gutmensch beschimpft, dann ist das meistens ein DOOFMENSCH, der davon ablenken möchte, dass er ein Doofmensch ist.“ Barbara

PPS: Hier noch ein wunderbarer Beitrag zur Inspiration: „Ein kleines Dorf zeigt der Welt, wie Europa auch sein könnte.“  (Auch in Deutschland haben wir viele, so gut wie leer stehende Dörfer.)

Und noch ein PPS: Ja, ich engagiere mich jetzt schon lokal für Flüchtlinge hier in Dresden – sammle über eine Facebookgruppe Spenden ein und fahre sie zur DRK-Spendenstelle. Und ja, ich engagiere mich auch für andere hilfebedürftige Menschen aus Deutschland (insbesondere Mütter mit kleinen Kindern bekommen von mir regelmäßig Sachspenden). Ich hätte auch kein Problem, wenn ich für die Flüchtlinge meinen persönlichen Luxus noch etwas mehr einschränken müsste. Ich bin schließlich Minimalistin 🙂 und ja, ich hätte kein Problem, wenn Flüchtlinge in unserer Nachbarschaft wohnen. Ich habe als Studentin im Wohnheim einige Jahre Tür an Tür, Zimmer an Zimmer mit ausländischen Studenten aus China und afrikanischen Ländern zusammen gewohnt. Das war kein Problem und ich könnte ein paar lustige Geschichten erzählen 😉

Nachtrag (4.9.15): Ich bin offensichtlich nicht die einzige „Naive“, die die Öffnung der Grenzen für eine gute Lösung hält. Es gibt Experten, die das für den besten Weg aus der Flüchtlingsmisere halten, wie dieser ARD-Monitor-Beitrag zeigt: hier.

Wie immer interessiert mich Eure Meinung. Schreibt sie gern in die Kommentare, aber hier behalte ich mir ausnahmsweise vor, bestimmte Kommentare zu löschen. Ihr könnt Euch vielleicht denken, welche. 

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Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.