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Frau Frielinghaus, bekennende Ex-Veganerin, hat der Rheinischen Post nun schon zwei Interviews gegeben (hier und hier). Fazit beider Interviews: vegan ist nichts für Jedermann und auf jeden Fall nichts für sie. Zeit für mich, ihre Ernährung mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Frau Frielinghaus aß nicht vegan, sondern makrobiotisch – sie hat dann die ohnehin schon stark eingeschränkte Ernährung „veganisiert“, indem sie auch noch den in der Makrobiotik erlaubten Fisch wegließ.

Sie beschreibt mehrmals im Interview, was sie gegessen hat:

Die makrobiotische Ernährung basiert auf vollwertigem Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchten, Sojaprodukten und kleinen Mengen an Meeresalgen. Keine Eier, kein Fleisch, keine Milchprodukte, aber dreimal die Woche Fisch. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, Fisch zuzubereiten.

Und hier auch noch:

Einmal war ich so unterzuckert, dass ich kaum noch einen Satz zustande gebracht habe. Ich habe überlegt, woran das liegen konnte. An dem Tag hatte ich Polenta, also Maisgrieß, mit Gemüse und ein bisschen Sesamöl gegessen.

Im zweiten Interview erklärt sie, dass sie nur kleine Mengen Salat und Obst aß. Zudem scheint mir, dass sie insgesamt kaum Kalorien zu sich genommen hat. Dies könnte durchaus schon die Erklärung sein, warum sie sich unterzuckert, schlapp und müde gefühlt hat.

Frau Frielinghaus beschreibt, dass sie ihre Ernährung immer weiter eingeschränkt hat, je schlapper sie sich fühlte, in dem Glauben, etwas nicht zu vertragen. Sie hat dann sogar eine dreiwöchige Fastenkur gemacht! Ich denke, damit hat sie genau den falschen Weg eingeschlagen und ihrem Körper weiter die Energie geraubt. Es ist sehr wichtig bei der veganen Ernährung auf eine ausreichende Kalorienzufuhr zu achten!

Ich kann natürlich auf diesem Weg keine eindeutige „Diagnose“ stellen, warum Frau Frielinghaus nun ausgerechnet an der veganen Ernährung gescheitert ist (abgesehen davon, dass sie beispielsweise kein B12 supplementiert hat), aber für ihre gesundheitliche Zukunft sehe ich auch eher schwarz.

Leider hat sie sich jetzt entschieden, auf die Weston-Price-Foundation zu hören, wie sie selbst erklärt. In diesem Beitrag diskutiert Dr. Joel Fuhrman, die Gefahren der von dieser Gruppe beworbenen Ernährung. Beispielsweise soll Neugeborenen, die nicht gestillt werden können, rohe Kuhmilch gegeben werden (statt Säuglingsnahrung), auch Meersalz schade ihnen nicht, zudem sollten Kinder möglichst wenig Obst und Gemüse essen. Grund genug für mich, um zu erkennen, dass Empfehlungen dieser Foundation ziemlich gefährlich sind!

Grundsätzlich ist die Aussage der Organisation, dass wir auf hoch-verarbeitete Produkte verzichten sollten, natürlich anzuerkennen, aber was daraus gemacht wird, ist zum Haare raufen. Ich möchte hier Dr. Joel Fuhrman zitieren:

To advocate eating a diet high in saturated fat is to ignore all of the nutritional research-especially of the past 40 years-that links this diet to shorter life spans and higher rates of heart disease and cancer is unconscionable.

Eine Ernährung mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren zu empfehlen, heißt, die gesamte ernährungswissenschaftliche Forschung zu ignorieren, insbesondere die der letzten 40 Jahre, welche diese Ernährungsform mit einer kürzeren Lebenserwartung und höheren Raten bei Herzerkrankungen und Krebs in Verbindung bringt. Das ist skrupellos.

Frau Frielinghaus probiert sich durch die verschiedensten Diät-Formen (Makrobiotik, vegan, Weston-Price-Diät) und treibt damit ihren Körper in den Ruin! Was Frau Frielinghaus lernen sollte, ist Ernährungsentscheidungen auf der richtigen Grundlage zu treffen.

Deshalb rate ich Euch, auf folgende Dinge zu achten, wenn es um die zahlreichen Ernährungstipps geht, die so im Netz umherschwirren:

1. Wer gibt diese Tipps? Informiert Euch über den wissenschaftlichen Hintergrund dieser Person. Kontrolliert auch, wie unabhängig diese Person ist.

Ich gehe gern auf die Seite von Dr. Michael Greger, um den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu bestimmten Ernährungsfragen zu erfahren. Warum ich ihm vertraue? Er hat keine Verbindungen zur Lebensmittelindustrie, profitiert also nicht finanziell von bestimmten Empfehlungen. Er ist in einer Nicht-Regierungsorganisation angestellt. Er verdient kein Geld mit seinen Videos – alle Einnahmen gehen wieder in das Projekt zurück: einem gemeinnützigen Verein.

Er kann alle seine Aussagen mit mehreren (!) wissenschaftlichen Studien belegen – wissenschaftlich heißt auch, dass sie in einem renommierten Fachmagazinen erschienen sind, also von einem unabhängigen Fachgremium aus Gutachtern bewertet und dann erst zur Veröffentlichung zugelassen wurden. (Peer-Review)

2. Sucht auch nach kritischen Stimmen zu diesen Personen und evaluiert sie. Es gibt beispielsweise Leute, die Dr. Greger „Cherry-Picking“ vorwerfen – dass er also nur Studien vorstellt, die seine Aussagen unterstützen – aber nicht einer der Kritiker kann Dr. Greger Missinformation oder Täuschung vorwerfen.  Selbst seine Kritiker erkennen die hervorragende Reputation von Dr. Greger an und er zitiert in seinen Veröffentlichungen nicht nur zwei-drei einzelne Studien immer wieder, sondern hunderte verschiedene, internationale Studien! Deshalb sehe ich die Kritik des „Cherry-Picking“ durchaus als vernachlässigbar an.

3. Lest gegebenenfalls in den Original-Studien nach. Auf der Seite von Dr. Greger ist jede zitierte Studie mit Verweis bzw. Link zur Originalstudie versehen, so dass man die Möglichkeit hat, Dr. Gregers Aussagen selbst nachzuprüfen.

In meinem Buch zum Thema Brustkrebs und Ernährung konnte ich allein 250 Studien zitieren, die ich über die Website von Dr. Greger gefunden habe.

Auf welcher Grundlage trefft Ihr Eure Ernährungsentscheidungen? Wenn Du glaubst, jemand hört auf die falschen Ratschläge, dann teile mit ihm diesen Artikel. 

 

 

 

 

 

 

 

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.