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Hallo Ihr Lieben, ein Thema treibt mich gerade um: nämlich, dass mir viel zu wichtig ist, was andere über mich denken. Das würde ich sehr gern ändern, weil ich sicher bin, dass es mein Leben um einiges leichter machen würde.

Ob Ihr es glaubt, oder nicht: das ist ein wichtiger Bestandteil der Minimalismus-Challenge. Denn meiner Meinung nach, geht es im Minimalismus nicht nur um aufgeräumte, möglichst leere Wohnungen, sondern auch darum, sich selbst zu befreien, zum Beispiel von Angewohnheiten, die einem das Leben schwer machen.

Möglicherweise sind gerade wir Frauen davon betroffen, dass uns so wichtig ist, wie uns andere sehen. Ich habe es bei mir gerade wieder bemerkt: ich war auf eine Hochzeit eingeladen und es hat mich schon Wochen vorher beschäftigt, was ich eigentlich anziehen soll. Dabei ist das, objektiv betrachtet, ja wohl eher zweitrangig – entscheidend ist doch die schöne gemeinsame Zeit mit den Freunden, das Tanzen, das Feiern!

Zugegeben, auch mein Mann hat sich extra einen neuen Anzug gekauft – aber eben erst einen Tag zuvor! Vorher hat er mit Sicherheit nicht einen Gedanken daran verschwendet, was er zu dieser Hochzeit anziehen soll…

Mir fallen noch andere, viel verrücktere Beispiele ein, wo ich bemerke, dass ich einen an der Waffel habe, zumindest wenn es darum geht, was andere, völlig Fremde, von mir halten:

Ich habe letztens unser Auto in die Werkstatt gebracht und während der Fahrt darüber nachgedacht, welchen Radiosender ich einstelle – schließlich hört das ja dann der Mechaniker und ein Schlagersender wäre mir schon peinlich… Bescheuert, oder? Wahrscheinlich hört der Werkstattmann super gern Schlager und hätte sich total gefreut, wenn mein Radio schon richtig eingestellt wäre!

Heute kommt ein Handwerker zu uns nach Hause und ich muss unbedingt noch aufräumen, damit er nicht denkt, dass es bei uns unordentlich aussieht. Das ist doch bekloppt – dieser Mann sieht jeden Tag so viele Wohnungen – den interessiert bestimmt nicht, wie es gerade bei uns aussieht!

Selbst, wenn sich richtig gute Freunde spontan ankündigen, ist es mir extrem peinlich, wenn es nicht tip top bei uns aussieht – dann renne ich wie eine Wahnsinnige noch schnell durch die Wohnung und versuche zu retten, was zu retten ist… dabei wäre es doch schöner, sich ganz entspannt darauf zu freuen, dass Besuch kommt!

In Gesprächen fällt es mir manchmal schwer, einfach zu sagen, wie ich die Dinge sehe – viel mehr ist mir dann wichtig, was der andere wohl für eine Antwort von mir erwartet und dass ich gebildet und informiert erscheine. Dabei könnte ich doch ganz einfach erzählen, wie ich die Dinge sehe – entweder mein Gegenüber findet das interessant oder halt nicht. Was soll’s! Ich will doch ich selbst sein und nicht jemand anders, oder?

Mir fällte es auch immer noch schwer, zuzugeben, dass ich vegan bin – insbesondere wenn es darum geht, das Ganze zu begründen. Ich mache mir dann gleich Sorgen, mein Gegenüber könnte das nicht verstehen oder es gar lächerlich finden. Na und? Ich vorverurteile damit ja auch schon die Menschen, mit denen ich spreche – das ist ja auch nicht sehr nett von mir!

Letztendlich hat diese Angst vor der Meinung anderer auch einen großen Einfluss auf meine Lebensentscheidungen – es war gar nicht so leicht für mich, meinen Eltern zu sagen, dass ich jetzt meine Anstellung aufgebe, um „nur noch“ zu schreiben. Dann haben sie es eigentlich ganz entspannt aufgenommen. Mir fällt es auch noch schwer, meine Bücher richtig zu vermarkten – aus Sorge, jemand könnte meine Werke kritisieren. Dabei ist mir vollkommen klar: Es wird IMMER jemanden geben, der mit meinen Arbeiten nichts anfangen kann! So ist das Leben!

Selbst Behördengänge oder Telefonate fallen mir schwer, aus Angst, ich könnte jemanden mit meinen Angelegenheiten belästigen – krass, oder? Wie nennt man sowas – Beamtenphobie? Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die davon betroffen ist 🙂

Sehr gern würde ich mich in dieser Hinsicht verändern! Einfach ich selbst sein. Wie viel entspannter könnte mein Leben sein – und ich könnte meine Aufmerksamkeit im Leben darauf lenken, was mir wirklich wichtig ist – meine Familie, das Schreiben, die Freunde…

Das soll jetzt kein Jammer-Artikel werden. Ich will mir und Euch das nur mal bewusst machen, wie sehr wir abhängig davon sind, was andere über uns denken könnten. Das Lustige daran – normalerweise sagen Dir andere Menschen nicht, was sie tatsächlich denken. Wenn der Handwerker glaubt, ich lebe in einem Saustall, wird er mir das nie erzählen. Ich werde es nie erfahren. Es ist letztendlich für mich total belanglos! Und trotzdem bin ich ganz nervös, weil ich gerade diesen Blogpost schreibe, statt noch schnell aufzuräumen!

Das muss doch irgend etwas mit meiner Erziehung, meinem Unterbewusstsein zu tun haben! Das ist so tief in mir verwurzelt – dieses Denken. Aber Einsicht ist ja bekanntlich der beste Weg zur Besserung… ich kann ja im Kleinen anfangen zu üben und heute die Wohnung mal unordentlich lassen… Oh Mann, das schaffe ich bestimmt noch nicht… 🙂

Was ich mittlerweile schon ganz gut kann, ist auch mal „Nein“ zu sagen. Das war früher für mich ein No Go! Ich habe grundsätzlich erst mal „Ja“ gesagt, wenn es zum Beispiel auf Arbeit darum ging, eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, nur um nicht schlecht dazustehen. Wenn Ihr auch solche Ja-Sager seid, dann hilft Euch vielleicht ein einfacher Trick: vertagt die Entscheidung. Sagt dem Betroffenen, dass Ihr erst mal in Euren Terminkalender schauen oder eine Nacht drüber schlafen müsst, dann fällt es mit Abstand meist viel leichter „Nein“ zu sagen. Eine Begründung ist gar nicht immer nötig.

Aber keine Sorge, mir geht es nicht darum, in der Öffentlichkeit zu pupsen oder zu rülpsen. Mir ist schon klar, dass es gut ist, respektvoll miteinandern umzugehen und Rücksicht aufeinander zu nehmen – ich würde deshalb nicht in Lumpen auf eine Hochzeit gehen oder meine Gäste in einer völlig verwüsteten Wohnung empfangen. Aber ich möchte gern entspannter mit meinen Mitmenschen umgehen, unnötigen Stress vermeiden und die Dinge etwas leichter nehmen, so dass Ihr auch die wahre Sina kennenlernen könnt, und nicht irgendeine Schauspielerin mit einer Verkleidung an…

Wie geht es Euch denn damit? Ertappt Ihr Euch auch immer wieder dabei, dass für Euch die Meinung Anderer extrem wichtig ist? Oder könnt Ihr Euch davon lösen? Vielleicht kennt Ihr ja auch ein paar Tricks, die es mir leichter machen, diese Macke loszuwerden? Ich freue mich über Eure Kommentare und wenn Ihr Euch in diesem Artikel wiederfindet, teilt ihn doch bitte mit Euren Freunden!

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.