Blanche Dollar Photo ClubHallo Ihr Lieben, heute widme ich mich der Frage, ob eine vegane Ernährung mit Verzicht gleichzusetzen ist.

Ich möchte einfach mal gegenüber stellen, auf was ich nun verzichte und was ich dazu gewonnen habe. Dann lässt sich die Frage nämlich mit einem klaren „Nein“ beantworten.

Was vermisse ich als Veganer? Vor allem das Bequeme: einfach in den Laden gehen und irgendwas zu kaufen, was mich gerade anspringt – das geht nicht mehr. Möglich wäre das nur in einem veganen Supermarkt, wie dem Veganz. Vielleicht gibt es ja mal einen in Dresden… (Update! Es gibt einen veganen Supermarkt in Dresden. Juchu!) Mittlerweile ist es natürlich schon viel leichter geworden, einzukaufen. Die meisten Regale im Supermarkt kann ich einfach links liegen lassen. Auf meinem Einkaufszettel stehen jetzt normalerweise Obst, Gemüse, Bohnen, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Sojamilch und Tofu.

Was ich noch vermisse? Dass ich mir spontan mal was unterwegs kaufen kann. Das ist nicht immer so einfach. Ich kann mir nicht mal eben einen Schokoriegel kaufen, wenn ich einen Hieper drauf habe, einen Milchkaffee to Go oder beim Bäcker ein Stück Kuchen – der Vorteil? Ich lebe gesünder und spare Geld 🙂

Was ich nicht vermisse: irgendwelches spezielles Essen – im Grunde kann man alle Gerichte, die man noch aus der Kindheit kennt, veganisieren – na gut, vielleicht nicht gerade Rouladen oder das Steak auf dem Grill, aber sonst kann ich super schnell alles „ergooglen“: Rezepte für Kartoffelsalat, sogar super leckeren veganen Eiersalalat habe ich schon gegessen. Es gibt vegane Schokolade, veganes Softeis, vegane Burger, veganes Hackvleisch. Selbst Makkaroni mit Käse kann ich mir nachmachen – ja, es schmeckt nicht hundert prozentig wie das Original, aber es schmeckt und das ist doch die Hauptsache, oder?

Und wenn ich mal keine Lust auf Kochen habe: in Dresden gibt es mittlerweile sooo viele Restaurants und Cafés, die vegane Speisen anbieten – genial!

Was ich gewonnen habe, seit ich vegan bin: Kreativität und Vielfalt in der Küche. Es gibt so Vieles, was ich ausprobieren kann, hunderte Kochbücher, so viele Zutaten und Geschmäcker. Die internationale Küche, vor allem die asiatische, bietet extrem viele vegane Möglichkeiten.

Ich habe neue Menschen kennen gelernt – zugegeben, die meisten dieser Bekanntschaften sind online, aber sie haben mein Leben so sehr bereichert, mit ihren Ideen, ihrer Warmherzigkeit, Leidenschaft und auch dem Blick mit einem Augenzwinkern auf die vegane Lebensweise. Ich fühle mich als Teil einer tollen, lebendigen Community.

Nicht zuletzt habe ich jetzt ein anderes Leben – ja, ich selbst habe mich extrem verändert, seit dem ich begonnen habe, mich mit Veganismus zu beschäftigen. Und ich möchte mal behaupten, zum Positiven. Mitgefühl nimmt bei mir jetzt einen viel größeren Stellenwert ein. Ich habe ein ganz anderes Verhältnis, nicht nur zu den Tieren, für die ich mich jetzt noch mehr verantwortlich fühle, auch zu anderen Menschen. Mir ist klar geworden, wie sehr meine Konsumentscheidungen, das Leben der Menschen auf der ganzen Welt beeinflussen können.

Mein Geist hat sich geöffnet – klingt jetzt total esoterisch – aber ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich laufe nicht mehr so blind durch mein Leben. Ich gebe zu: das kann eine Belastung sein, weil die Welt sich leider nicht wirklich vegan verhält, weil ich jetzt weiß, welche furchtbaren Qualen die Tiere (und Menschen) tagtäglich erleben müssen und ich nur bedingt etwas dagegen tun kann!

Aber gleichzeitig sehe ich jeden Tag die Lösung für so viele Probleme, die wir haben, vor mir: Ich habe nicht länger das Gefühl, machtlos zu sein, sondern ich kann auf meine Weise ganz viel dazu beitragen, dass diese Welt ein besserer Ort wird.

Veganismus ist die Antwort auf Tierleid, Menschenausbeutung und Hunger, Kriege, Umweltverschmutzung und Krankheiten. Mir ist klar geworden: es liegt in unserer/meiner Hand, diesen Planeten in ein Paradies zu verwandeln. Dafür braucht es keinen Messias – die Lösung ist schon hier.

Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
Leo Tolstoi

Eine vegane Welt wäre eine friedlichere, gesündere Welt. Mir ist bewusst, das das utopisch klingt, unmöglich, aber stellt Euch nur vor: wir Menschen, entspannt, gesund, satt und zufrieden, im Einklang mit der Natur – das ist auf einmal so greifbar geworden mit der veganen Idee – das Potenzial dafür ist da! Das begeistert mich und deshalb würde ich mein veganes Leben nie und nimmer mit Verzicht gleich setzen.

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.