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Ein wundervoller Artikel von Nic Pinguet hat mir die Thematik „Regretting Motherhood“ näher gebracht. In letzter Zeit melden sich einige Frauen zu Wort, die es bereuen, Mutter geworden zu sein, und nun wird das Thema natürlich heftig diskutiert.

Es ist ja schon ein fettes Tabu, darüber zu reden, dass man als Mutter unglücklich ist. Ich habe auch immer wieder Momente, in denen ich mich frage, wie mein Leben jetzt wohl ohne Kinder aussähe und es gibt auch Tage, da wünsche ich mir nichts sehnlicher als endlich mal wieder meine Ruhe zu haben, einfach mal allein zu sein und für niemanden verantwortlich. Das ist ja auch ganz normal, oder?

Was mich wirklich immer wieder aufregt an der ganzen Debatte um das Muttersein und natürlich auch das Vatersein ist, dass keiner berücksichtigt in welch unnatürlichen Verhältnissen wir leben. Das hat überhaupt nichts mit verwöhnten Frauen zu tun, die sonst keine Probleme haben! Sondern wir leben in einer Gesellschaft, in der die größte Last der Kindererziehung meist nur auf einer Person liegt, seien es Mutter oder Vater.

Dabei sind Großfamilien, dörfliche Gemeinschaften doch die natürlichere Lebensweise – die Kinder vieler Familien rennen den ganzen Tag draußen zusammen herum und passen auf einander auf, lernen voneinander. Es ist keineswegs natürlich, dass Mama oder Papa das Kind den ganzen Tag beschäftigen müssen und jeden Tag mit dem Kind zum Spielplatz gehen und dort das Kind eine Stunde beaufsichtigen müssen, damit es sich wenigstens einmal am Tag draußen bewegt hat.

Es ist auch nicht natürlich, dass Kinder nur eine Bezugsperson haben. Früher lebten wir Menschen doch viel offener mit anderen Familien und Familienmitgliedern, mit den Großeltern, Tanten, Onkeln zusammen. Da hat die Oma gekocht, die Tante die Wäsche gemacht, die Mama geputzt (und der Papa war jagen 🙂 Und alle haben sich so nebenbei (!) mit um die Kinder gekümmert.

Klar, damals gab es keine Waschmaschine, keinen Geschirrspüler, aber auch kein Facebook oder Fernsehen. Wir sind doch heute viel stärker noch von anderen Dingen eingenommen und gleichzeitig total auf uns allein gestellt, immer mit Blick auf all die anderen Familien, die scheinbar alles so gut und entspannt meistern.

Ihr solltet mal das Buch Die Kunst, frei zu sein von Tom Hodgkinson lesen: Früher hatten die Menschen unglaublich viel mehr Zeit! Wir hetzen durch die Gegend und haben immer ein schlechtes Gewissen, weil noch so viel zu tun ist (mir geht es jedenfalls immer so). Ist doch klar, dass die Zeit für die Kinder immer knapper wird. Kinder stören heute doch nur!

Worauf ich hinaus will: wir dürfen nicht so streng mit uns sein! Wir Eltern leisten heutzutage unglaublich viel.

Bereut nicht, dass Ihr Kinder habt. Ändert die Umstände, in denen Ihr mit Euren Kinder lebt. Klick um zu Tweeten

Deshalb überlege ich mir immer, wenn ich die Kinder gerade mal wieder nicht mehr sehen kann, woran das eigentlich liegt.

  • Brauche ich einfach mal wieder meinen persönlichen Freiraum?
  • Bin ich vielleicht unzufrieden, weil ich mal Ruhe zum Nachdenken (zum Beispiel über ein neues Projekt) brauche?
  • Sieht die Bude einfach wieder aus wie Sau?
  • Manchmal nerven mich auch die Kinder, wenn ich eigentlich unzufrieden mit mir selbst bin,weil ich nicht das geschafft habe, was ich mir eigentlich für diesen Tag vorgenommen hatte.
  • Oft bin ich einfach nur zu unentspannt und das stresst natürlich auch die Kinder! Ein Teufelskreis.

Deshalb halte ich es für extrem wichtig, sich als Eltern immer wieder Freiräume zu schaffen. Zu wissen, dass man dann (zum Beispiel wenn die Kinder im Bett sind) wieder Ruhe hat, entspannt die Lage schon mal erheblich.

Mein Mann und ich haben jeder in der Woche immer mal einen Abend frei, zum Ausgehen mit Freunden zum Beispiel (ich nutze das irgendwie gerade viel zu wenig 🙂

Ich stehe immer vor den Kindern auf, damit ich morgens Zeit für mich habe.

Freunde von mir haben ihr Schlafzimmer zur kinderfreien Zone deklariert und ziehen sich gegebenenfalls dahin mal zurück.

Andere Bekannte haben jeden Tag eine 15-minütige Kaffeepause, in der mal nur die Eltern in Ruhe miteinander reden können und die Kinder nicht dazwischenplappern dürfen.

Solche einfachen Regeln kann man Kindern wirklich sehr schnell beibringen und schon hat man Rückzugsmöglichkeiten im chaotischen Alltag, die die Kinder auch durchaus verstehen!

Ihr solltet auch nicht davor zurückscheuen, einfach mal einen Babysitter zu engagieren, und wenn ihr Eure lieben Nachbarn mal fragt, ein Auge auf die schon schlafenden Kinder zu haben, damit ihr in Ruhe was trinken oder ins Kino gehen könnt.

Viel zu oft scheuen wir davor zurück, die gut gemeinte Hilfe von Freunden und Bekannten anzunehmen. Mir geht es jedenfalls so. Wir haben schon so viele Angebote erhalten von lieben Leuten, die gern unsere Kinder übernehmen würden, damit mein Mann und ich mal Zeit für uns haben. Gerade wenn die Kinder noch klein sind, fällt es mir schwer, loszulassen – klar, dass ich dann irgendwann völlig erschöpft bin!

Ich war ja letzte Woche mehrere Tage allein mit den Kindern und brauchte danach auch ganz dringend mal Erholung. Also habe ich meinen Mann am Wochenende mit allen Kindern zu Oma und Opa geschickt und hatte einfach mal frei! Das war herrlich! Und ich habe auch gar kein schlechtes Gewissen zuzugeben, dass ich die Kinder kein bisschen vermisst habe 🙂

Ich empfehle Euch, wenn ihr dauernd wegen der Kinder gestresst seid, unbedingt mal das Buch Leitfaden für faule Eltern von Tom Hodgkinson zu lesen. Hodgkinson spricht mir aus der Seele 🙂

Und wem es wirklich ganz ernst ist, mit dem Bereuen des Elternsein, der sollte sich fragen, welche Ziele er neben den Kindern noch im Leben hat und wie man diese auch MIT Kindern verwirklichen kann. Oft ist es nur ein Zeitproblem oder eine Frage des Geldes oder gar das berufliche Umfeld? Auch hier gibt es wunderbare Lösungen, die sich durchaus auch mit Kindern bewerkstelligen lassen. Da möchte ich Euch als Einstieg mal wieder Die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss ans Herz legen oder die Bücher von Barbara Sher.

Und vergesst nicht: die Kinder werden wirklich schnell älter und selbständiger. Ihr werdet immer mehr Freiräume für Euch wieder zurück erhalten. Wie viele Jahre Eures Lebens sind es denn wirklich, in denen ihr rund um die Uhr im Elternsein „gefangen“ seid. Spätestens mit fünf braucht man sich doch wirklich nicht mehr so intensiv um die Kinder zu kümmern, oder?

In diesem Sinne: gebt nicht Euren Kindern die Schuld, wenn ihr unzufrieden seid, sondern versucht die Umstände für Euch positiv zu ändern. Im Grunde fällt doch alles wieder auf den Minimalismus zurück. Welche unwichtigen Dinge (Fernsehen, Fenster putzen, Wäsche waschen) in meinem Leben kann ich reduzieren, damit ich wieder Zeit und Muße für die wichtigen Dinge (Familie, Selbsterfüllung und Freizeit) habe.

Wie sind Deine Erfahrungen damit? Was ist Dein Geheimnis um mit nervenden Kindern fertig zu werden? Ich freue mich über Deine Meinung dazu in den Kommentaren und vergiss nicht, diesen Artikel mit Deinen Freunden zu teilen 🙂

Photo credit: P7190011.sm via photopin (license)

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.