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Mein Verhältnis zu meinem Körper hat sich verändert. In meinen Zwanzigern war ich schlank und selbstbewusst. Mein Busen war nicht sonderlich groß, aber das machte mir nichts aus. Falls mich jemand für flachbrüstig oder zu dürr hielt, war es mir egal. Es gab ja noch genug andere Männer, die mich begehrten… Ich war einfach unbekümmert, was das betrifft.

Jetzt bin ich 34, habe drei Schwangerschaften hinter mir und versuche, mich wieder in meinen Körper zu verlieben. Irgendwie ist mir das Unbekümmerte abhanden gekommen. Der Körper macht in einer Schwangerschaft (und danach) so unglaubliche Veränderungen durch. Das hat mich von ihm entfremdet.

Als ich zwischen den Schwangerschaften wieder arbeiten war, hatte ich oft gar nicht die Zeit, mich morgens zu stylen und mir Gedanken um die richtige Klamottenauswahl zu machen. Ich hatte kaum Zeit, die Wäsche zu waschen oder shoppen zu gehen, um immer die beste Auswahl im Kleiderschrank zu haben. Ich habe einfach schnell hineingegriffen, und angezogen, was mir entgegen kam. So wäre ich in meinen Zwanzigern niemals auf die Straße gegangen. Als Mama habe ich es nicht anders hinbekommen. Ich habe nur bedingt auf mich selbst geachtet und entsprechend sah ich aus 🙂 und entsprechend habe ich mich gefühlt. Jetzt, wo die Kinder größer werden, ändert sich das wieder. Ich habe mehr Zeit, mich im Spiegel anzusehen und ich frage mich, wie wichtig ist es, attraktiv auf andere zu wirken? In unserer Gesellschaft scheint es entscheidend zu sein. Habe ich mit 34 aber überhaupt noch eine Chance? Bei Frauen geht es ab 24 Jahren mit der Schönheit bergab, während Männer mit 40 in ihr bestes Alter kommen… habe ich mir sagen lassen.

Warum sollte ich überhaupt attraktiv wirken wollen? Ich meine, ich bin verheiratet und damit weg vom „Markt“. Klar, mein Mann soll sich meiner nicht schämen und mich noch gern ansehen, aber wie weit muss ich dafür eigentlich gehen? Was ist denn Attraktivität überhaupt? Ist es das äußere Erscheinungsbild? Ich glaube, unsere Wirkung auf andere ist nicht nur von Falten, Gewicht und Haarfarbe abhängig – sondern viel mehr davon, was wir ausstrahlen.

Mein Selbstwertgefühl steigt natürlich, wenn mich jemand attraktiv findet, egal ob Mann oder Frau. Es geht um Selbstbestätigung. Wir wollen geliebt werden und irgendwie glauben wir, dass unser Äußeres dafür der wichtigste Faktor ist. Aber ist dem tatsächlich so? Nehmen wir an, ich wäre eine tolle, attraktive Frau – vielleicht sähe ich wieder aus wie 25. Was brächte mir das? Mir würden vielleicht mehr Männer auf der Straße hinterher schauen und sonst? Mein Leben bliebe doch das Gleiche! Ich hätte immer noch die Kinder, meinen Mann, den ich liebe… und selbst, wenn ich wunderschön wäre, gäbe es Leute, die mich nicht attraktiv fänden – das passiert den schönsten Menschen!

Für meinen Mann zum Beispiel ist es doch viel entscheidender, dass ich gut gelaunt bin und keine mürrische, verbitterte Ehefrau. Was nutzt es ihm, wenn ich toll aussehe, aber ein absoluter Drachen bin? Wann würde er sich wohl eher nach anderen Frauen umsehen? Damit will ich nicht sagen, dass ich mich gehen lassen kann, wenn ich nur gut gelaunt und fröhlich bin, denn das eine steht mit dem anderen in enger Verbindung.

Wir sollten uns eher fragen, warum wir schön sein wollen. Wenn wir uns Attraktivtät wünschen, wünschen wir uns eine positive Resonanz von anderen Menschen. Wir wollen, dass uns die Leute freundlich begegnen und uns mit Respekt behandeln. Wir wollen geliebt werden, sogar bewundert. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir es nicht einmal selbst für uns tun? Wenn wir nur auf das Außen fixiert sind und nicht auf unser Innerstes hören?

Deshalb sind meine Challenges nicht nur darauf ausgerichtet, meine (äußere) Attraktivität zu erhöhen. Klar ist mir das wichtig. Ich bin auch nur ein Mensch, aber ich möchte noch etwas anderes, etwas viel Entscheidenderes: ich möchte lernen, mich selbst zu lieben, meinen Körper zu respektieren, ihn so anzunehmen, wie er ist. Ich habe mich in den letzten Jahren so fremd in meinem eigenen Körper gefühlt, dabei ist er so ein Geschenk – für mich, meine Kinder und vielleicht auch meinen Mann. Ich bin sicher, Menschen, die sich selbst lieben, wirken auch ganz anders nach außen. Sie strahlen, wie es eine „langweilige Schönheit“ nicht kann.

Super, dann kann ich mir meine Sport-Challenge und das Schminken in Zukunft sparen? Wenn ich diese Dinge nur für andere tue: Ja. Ich frage mich lieber: was möchte ich für MICH tun? Wie viel Make-Up brauche ich, wenn ich allein mit mir selbst bin? Ich denke jetzt nicht an den Schlumpi-Tag, wenn ich nur mit Jogginghose, ungekämmt auf der Couch sitze. Das ist keine Selbstliebe, sondern Erschöpfung. Ich denke an den ersten Frühlingstag, wenn ich vor Energie strotze, gut gelaunt bin, meine Lieblingsklamotten aus dem Schrank hole und die Welt umarmen möchte.

Ich sollte meinen Körper viel mehr zelebrieren! Er begleitet mich ein Leben lang. Ich könnte damit anfangen, mich im Spiegel anders zu betrachten, nicht länger die vermeintlichen „Fehler“ zu sehen, sondern das, was mir gefällt.
Ich könnte meinen Körper pflegen, nicht nur von außen, sondern auch von innen: mit dem richtigen Essen, viel trinken, ihn bewegen
Ich könnte das anziehen, was wirklich zu meiner Persönlichkeit passt.
Ich könnte lernen, mir selbst zu verzeihen – alles!
Ich könnte meditieren, auf meinen Atem hören, um die Verbindung von Körper und Geist wieder herzustellen und zu erspüren, was (mir) wirklich wichtig ist.

Das ist toll! Das klingt viel weniger nach Quälerei als nach einem Weg, der Spaß macht und zu mir selbst führt.

Wie wichtig ist Dir Dein Äußeres? Was macht Dich glücklich? Wie zelebrierst Du Selbstliebe?

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.