Ich sag es gleich dazu – es ist langweilig. Nichts Aufregendes zu sehen… Zum Glück! Schließlich wollte ich ja auch nichts Aufregendes finden in meinem Blut…

Meine bessere Hälfte und ich, wir leben ja nun seit einiger Zeit vegan, wenigstens zu 90% (wenn wir bei Freunden zu Besuch sind, lassen wir unsere Vorsätze schon mal schleifen), und deshalb haben wir beschlossen, regelmäßig unsere Blutwerte zu checken.

Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass ich schlechtere Werte habe, einfach, weil ich wirklich keine Vorzeigeveganerin bin, auch wenn ich hier immer so schön über gesunde Ernährung schreibe. Wenn ich arbeite, lasse ich gern mal eine Mahlzeit ausfallen, weil ich gerade so schön im Schreibfluss bin. Wenn die Kinder da sind, lasse ich gern mal eine Mahlzeit ausfallen, weil ich von den kleinen Tyrannen in der Küche rumgescheucht werde, und überhaupt braucht es niemanden zu wundern, wenn ich bald aussehe, wie sich viele Leute einen typischen Veganer vorstellen: ausgemergelt!

Und das ist natürlich fatal für die vegane Sache! Wenn ich krank werde, wird es sofort heißen: ich wusste doch, vegane Ernährung ist ungesund! Wenn ich gesund bleibe, ist es halt Glück. Wenn jemand krank wird, der Fleisch isst, liegt es jedenfalls nicht an der Ernährung!

Als Vertreterin der veganen Lebensweise habe ich schon eine große Verantwortung. Die habe ich natürlich auch als Mutter und Frau – ich muss besser auf mich achten! Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe… es steckt halt tief in mir drin, die Anderen an erster Stelle zu sehen – so kommt es, dass morgens die Kinder das Haus gut eingepackt und warm angezogen verlassen und ich selbst weder Handschuhe noch Mütze dabei habe.

In einer perfekten Welt hätte ich eine perfekt aufgeräumte Wohnung, immer perfekt gezupfte Augenbrauen, einen tollen Körper, immer frisches Obst und Gemüse zu Hause, schon zehn Bücher veröffentlicht und einen Top 25 Blog, aber wenn ich es mir recht überlege, habe ich schon etwas perfektes: eine wundervolle Familie! Vielleicht vergesse ich mich selbst deshalb immer wieder: weil ich meine Kinder und meinen Mann so sehr liebe!

Wer sagt, Frauen sind nicht zerrissen, zwischen Haushalt, Karriere, Familie und Selbstverwirklichung, der kann keine Frau sein :-). Ich bin sicher, Männern geht es auch nicht besser – ich sehe es ja an meinem Mann. Ich halte nichts von Geschlechterkampf! Im Gegenteil – wir als Familie sind nur deshalb so unglaublich glücklich (trotz permanenter Erschöpfung), weil wir ein Team sind – ein richtig gutes Team! Lustig, wie ein Artikel über meine Blutwerte plötzlich zu einer Liebeserklärung für meinen Mann werden kann :-). Ich weiß jedenfalls, was ich ihm alles zu verdanken habe.

Worauf ich eigentlich hinaus will: selbst, wenn meine Blutwerte nicht in Ordnung gewesen wären, wäre das kein Beinbruch – vegan Leben ist ein Prozess, ein Lernprozess, wie es das Leben überhaupt ist. Dann muss ich eben noch an der einen oder anderen Schraube etwas drehen, alles etwas nachjustieren. Wir sollten uns alle nicht mehr so viel Druck machen. Die Ansprüche an uns selbst, sind viel zu groß! Wir wollen die perfekten Eltern (in jeder Situation entspannt) sein, die besten Karrieren machen und trotzdem eine  top Work-Life-Balance vorweisen und natürlich noch sportlich und gut aussehend und immer gut gelaunt sein, viele Freunde haben, beliebt sein…

Was aber ist die Antwort auf diesen Druck? Tief durchatmen? Meditation? Sport? Eine Therapie? Keine Ahnung. Genau darum geht es mir in diesem Blog. Ich bin auf der Suche nach der besten Variante meiner Selbst. Nicht, weil ich mich so wie ich bin nicht leiden kann, sondern, weil ich mich liebe und ich mir etwas Gutes tun will. Deshalb lasse ich mir auch einmal im Jahr das Blut abnehmen, nicht um mich zu kontrollieren oder jemandem zu beweisen, dass auch vegane Ernährung gesund sein kann, sondern, weil ich damit begonnen habe, auf mich acht zu geben.

Unser Leben ist so wertvoll und ich will es nicht länger verschwenden! Der Weg ist das Ziel – das klingt so profan, ist doch aber so. Es liegt an mir selbst, ob dieser Weg Spaß macht, voller neuer Ideen und Erlebnisse ist, oder eine einzige Plackerei mit ständigen Selbstvorwürfen. Na und? Ich bin nicht perfekt und manchmal echt überfordert, aber ich bin schon einen Riesenschritt weiter gekommen. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht – Dinge entdecken, ausprobieren, darüber philosophieren und es anderen Leuten mitteilen. Es macht Spaß und es macht mich glücklich und ich weiß genau, dass ich auf dem richtigen Weg bin – sagt auch mein Blutbild :-).

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.