PG.NETO via www.photopin.com, Creative Common 2.0

Ich bin Dresdnerin und deshalb muss ich mich heute mal politisch äußern, um eine Schweigespirale zu verhindern. Ich habe eigentlich überhaupt keine Lust, über diese Leute zu schreiben, aber ich möchte sie auch nicht ignorieren. In den letzten Tagen habe ich mich auf Facebook verbal mit vielen Leuten rumgeschlagen. In meinem persönlichen Umfeld habe ich bisher, Gott sei Dank, noch niemanden getroffen, der Pegida unterstützt. Aber vielleicht zeigt gerade das, wie groß der Spalt in der Dresdner Bevölkerung ist. Eher sind alle irgendwie darüber bestürzt, was hier abgeht: jeder fragt sich, was diese Leute eigentlich wollen?

Ich meine, Islamisierung? Hier in Dresden? Wohl kaum! Hier leben nur 4,7% Ausländer, viele davon nicht einmal Muslime!

Ich glaube, die Meisten der „Mitläufer“ wollen gern mal ein Zeichen setzen, sich irgendwo zugehörig fühlen, Dampf ablassen. Politikverdrossenheit kann ich ja noch verstehen, aber unter dem Deckmantel der angeblichen Sorge um die Werte des christlichen Abendlandes (in Dresden leben nur etwa 20% Christen!) gegen DIE Ausländer wettern? Wo spaziert die Pegida eigentlich hin? Das frage ich mich.

Mich nervt vor allem, das Verschwommene in der Positionierung dieser Leute: da kann jeder mitmachen, ob bürgerliche Mitte oder rechtsextrem. Sehr schön ersichtlich am Positionspapier der Pegida (, dass heute seltsamerweise nicht mehr online zu finden ist.)

Auf den ersten Blick glaubt man, hm, die wollen ja doch Ausländer haben. Punkt 1 lautet nämlich: Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht! Da wird wohl kaum einer was dagegen sagen können, aber schon Punkt 2 ist geradezu lächerlich:
Pegida ist für die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!
So, liebe Pegida: Wie soll so etwas bitte umgesetzt werden? Wer legt fest, ab wann man integriert ist? Wie homogen soll Deutschland eigentlich werden? Wer kontrolliert das, bitte? Vielleicht Big Brother?

Dann kommt wieder was Vernünftiges: Pegida ist für dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!
Aber nicht immer nur meckern: machen! Ich kann hier nur die Initiative www.fluechtlinge-willkommen.de empfehlen. Wie wäre es, wenn die Pegida-Leute ein paar Flüchtlinge aufnehmen? Das beste Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit ist immer noch, Fremde kennenzulernen.

Ich habe, ehrlich gesagt, keine Lust, das ganze Positionspapier durchzuackern. Klar ist, dass es nur „Positionen“ sind, die nicht mit konkreten Handlungsvorschlägen untermauert werden. Es wird überhaupt nicht erklärt, was unter den einzelnen Punkten zu verstehen ist, wie das konkret umgesetzt werden könnte. Perfekt, um möglichst viele Leute, mit diesen Forderungen auf die Pegida-Seite zu ziehen.

Mich würde jetzt vor allem mal interessieren, wie die Pegida weiter verfährt? Immer nur schweigend spazieren gehen, ist irgendwann nicht mehr zielführend. Wie wollen die Anführer so eine braun-bunt gemischte Truppe zusammen halten? Irgendwann ist das auch für die Medien wieder langweilig. Schließlich ist reden für die Pegida-Leute ja verboten, außer auf Facebook und was man da zu hören bekommt, ist durchaus gruselig! Pegidawatch gibt dazu interessante Hintergrundinfos.

Meine Meinung finde ich von Michael Bittner sehr gut vertreten. Der kann das auch besser ausdrücken. Ich werde bei diesem Thema viel zu schnell wütend. Ich kann Rassismus nicht ausstehen!

Einen wunderbaren Vortrag zum Thema Rassismus habe ich letztens erst gesehen:

Nachtrag: Auf den Seiten der TAZ könnt Ihr das Positionspapier nachlesen.

Photo credit: PG.NETO via photopin cc

Sina Jasur
Sina Jasur
Ganz ehrlich? Mein Leben ist zu stressig! Ich bin mit einem Workaholic verheiratet, habe drei Kinder und will mich selbst verwirklichen. Ich schreibe, singe ab und zu in einer Band, engagiere mich in der Flüchtlingshilfe und versuche, nebenbei Geld zu verdienen, am liebsten mit den Dingen, für die ich brenne: Veganismus, Minimalismus und passives Einkommen. Mir macht es einfach Spaß, gesellschaftliche Konzepte zu hinterfragen und neue/alte, andere Wege auszuprobieren. Wenn es Euch auch so geht, ist dieser Blog genau das Richtige.